Nordschleswigscher Ruder-Verband

Rudern allgemein

Im Ruderboot auf Wanderfahrt (v. Dieter Hallmann)

Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, dann werden auch die Breitensportler in den Rudervereinen unruhig, beginnt doch nun auch die Zeit der Wanderfahrten. Für den Nichtruderer – jede Fahrt, die über das tägliche Ruderrevier hinausgeht ist eine Wanderfahrt – und sie hat natürlich im Ruderboot stattzufinden wobei die Ruderer immer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen müssen, deshalb auch der bekannte Ausspruch bei den Ruderer“ Oh, da sind wir gerade an einem Biergarten vorbeigerudert“ während der Kanufahrer freudig ausruft“ Oh, da sehe ich vor mir einen Biergarten“


Ruderfahrten werden zumeist in Gigbooten durchgeführt diese sind heute überwiegend aus Kunststoff gebaut sind 78 – 1,10 m breit wiegen so zwischen 75 und 100 kg. Gigboote werden hauptsächlich mit Skulls gerudert, das heißt jeder Ruderer hat zwei Ruder. Gigboote gibt es als Einer- Zweier – Dreier – Vierer – Fünfer – Sechser und Achter. Sie können bis 20 m lang sein. Unsere Vereine im NRV haben aber nur Boote vom Einer bis zum Vierer.

 

 

Früher begann eine Wanderfahrt immer im Verein und endete auch dort wieder, aber inzwischen sind die Autos stärker geworden und die Bootshänger leichter und dadurch sind auch die Wanderruderer mobiler geworden, jetzt können Wanderfahrten auch in entfernten Gegenden durchgeführt werden. Inzwischen haben die Wanderruderer des NRV fast alle deutschen ruderbaren Flüsse kennen gelernt. So die Elbe von Tschechien bis Brunsbüttel, auch die Saale und die Unstrut. So ruderten in diesem Jahr 4 Ruderer in einer Woche von der tschechischen Grenze bis Dömitz, eine Strecke von 500 km und wer das glaubt, dass man nur mit der Strömung zu treiben braucht, der irrt sich, denn um täglich 80 – 90 km zurückzulegen, da muss man schon 8 Stunden im Boot sitzen und etwas tun.


Wir waren auch auf dem Rhein von Rastatt dann weiter über Köln nach Holland und dann auf der Ejssel bis zum Ejsselmeer, waren natürlich auch auf den Nebenflüssen Main und Mosel, beruderten die Moldau kamen durch Prag bis an die Elbe , waren auf der Weser mit ihren Quellflüssen Werra und Fulda und dem Nebenflüssen Aller und Lesum, auf Wümme und Hamme bis ins Teufelsmoor, Auf der Peene und Trebel und auch auf der Oder. Nur in diesem Jahr klappte es nicht auf der Oder. Eine geplante Fahrt von Breslau in Polen bis Frankfurt/Oder fiel dem Hochwasser zum Opfer, die Oder war ein reißender Strom geworden, der Wasserstand in Frankfurt sonst so um 2,50 m war auf 6,50 m angestiegen und drohte die Innenstadt zu überfluten. Weite Gebiete standen in Polen unter Wasser. Dafür hatte der Deutsche Ruderverein Hadersleben bei seiner diesjährigen Familienfahrt auf Saar und Mosel fast zu wenig Wasser, es war überhaupt keine Strömung vorhanden und an manchen Stellen mussten wir aufpassen, nicht auf Sandbänke zu laufen. Haben auch den Bodensee, die Berliner und Mecklenburger Seen kennen gelernt.

 

Früher wurde meisten auf mehrtägigen Fahrten gezeltet oder in den Rudervereinen auf Luftmatratzen übernachtet, das machen wir heute eigentlich nur noch in Dänemark so wie in diesem Jahr auf der Limfjordwanderfahrt von Struer nach Aalborg. Da wird sich dann auch selbst verpflegt und abends wird gekocht. Bei Fahrten auf dem Limfjord oder beim Küstenrudern kommen dann wieder andere Boote zum Einsatz. Gerudert wird in Inrigger Zweiern oder Vierern, mit Riemen. Diese Boote sind aus Mahagoniholzplanken gebaut. Sind 8,20 m – 10.50 lang, 1,10 m breit und wiegen für den Vierer 110 kg. Sie haben keine Ausleger sondern die Dolle sitzt auf der Bordwand. Diese Boote sind sehr seetüchtig und vertagen schon mal größere Wellen.

 

Alsen, Seeland, Fünen, Rügen und Usedom wurden in den vergangenen Jahren von NRV Ruderern umrundet. Wobei meistens 3 - 4 Boote unterwegs waren. So eine Wanderfahrt dauert meisten gut eine Woche in der dann so zwischen 200 und 500 km gerudert werden, etwas weniger auf den Familienfahrten, aber da rudern dann auch schon 10 – 12 jährige und kleinere Kinder werden als Passagiere so genannte „Kielschweine“ mitgenommen. Meisten sind die Fahrtengruppen gemischt Frauen und Männer, jung und alt. Einzige Ausnahme nun schon seit fast 40 Jahren, die Männertour zu Himmelfahrt, da darf keine Frau mit ins Boot. In diesem Jahr waren die Männer, jetzt alles schon alte Herren, der älteste Teilnehmer ist 79 Jahr alt der jüngste um die 50 auf der Weser unterwegs und ruderten in drei Tagen 180 km. Übrigens wird über die geruderten Kilometer in den Vereinen genau Buch geführt, der eifrigste Verein im NRV erhält dann den Wanderruderpreis, der jedes Jahr neu vergeben wird. Nach 25 Jahren bekommt der Verein ihn zum Eigentum, der ihn am meisten gewonnen hat. Den 1.Preis bekam der Deutsche Ruderverein Hadersleben, inzwischen ist ein neuer Preis unterwegs. Auch die einzelnen Ruderer werden mit silbernen oder goldenen Rudernadeln je nach Kilometerleistung ausgezeichnet. Männer müssen für eine Goldnadel 2000 km in einer Saison gerudert haben, die Frauen 1500. Und wer dann nach vielen Jahren 40077 km gerudert hat, der bekommt den Äquatorpreis. Den haben in Nordschlewig inzwischen zwei Ruderer bekommen. Aber da man mit dem Rudern bis ins hohe Alter dabeibleiben kann, so kann es auch schon mal geschehen, dass man den Äquatorpreis zweimal schafft.

 

Aber Vereine, die keinen Bootshänger haben, gebrauchen nicht auf Wanderfahrten verzichten. Befreundete Vereine leihen auch ihre Ruderboote aus. Das macht auch der NRV, der in Hejsager bei Hadersleben ein Sommerhaus besitzt, wo den ganzen Sommer über zwei Boote stationiert sind, die dänischen und deutschen Ruderern gern zur Verfügung gestellt werden.

 

Jedes Jahr kommen zahlreiche Vereine um einmal auf der Ostsee zu rudern. So haben wir Besuch gehabt aus Berlin, Hamburg, Lübeck, Oldenburg , Minden, Hann.. Münden, aus Frankfurt und Köln, aber auch von vielen schleswig- holsteinischen Ruderfreunden und dänischen Ruderkameraden aus Aarhus, Kolding und Assens. Auch NRV Ruderer leihen sich gern einmal Boote bei befreundeten Vereinen, wobei wir dann gern auf Boote zurückgreifen, die wir nicht haben, wie Barken oder Kirchboote.

 

Barken sind breite Ruderboote, die von 8-10 Ruderinnen/Rudern gerudert werden, wobei jeweils zwei nebeneinander sitzen. Da die Boote sehr schwer sind werden sie hauptsächlich auf strömenden Gewässern gerudert.

 

Kirchboote stammen ursprünglich aus Finnland, werden mit 14 Ruderern und einem Steuermann bemannt und dienten früher als Verkehrsmittel auf den Seen um sonntags zum Gottesdienst zu kommen, da es häufig kaum Strassen gab.

Der NRV war im vergangenen Jahr mit einem Kirchboot auf dem Rhein unterwegs.

Ja vieles gäbe es noch von den Wanderfahrten zu erzählen leider reicht hier nicht der Platz, wer nun aber neugierig geworden ist und auch einmal Lust aufs Rudern oder eine Wanderfahrt hat, der schaue mal ins Internet auf die Homepage des Nordschleswigschen Ruderverbandes : www.nrv.dk dort findet er weitere Informationen über die Rudervereine in Nordschleswig, über Mitgliedsbeiträge, Ruderreviere und Wanderfahrten.